Autos sind faszinierend. Kinder lieben Autos. Deshalb denke ich mir: So ein Buch muss richtig gut sein!

Und tatsächlich: Dieses Buch hat es in sich.

Familienurlaub oder Horrorszenario?

Das Bild rechts zum Beispiel stammt von meiner Lieblings-Minigeschichte aus dem Buch, die wie folgt beginnt:

So ein Pech! Das Auto ist stehen geblieben, obwohl die Familie verreisen wollte. Papa bringt es gleich in die Werkstatt. Dort wird das Auto auf eine Hebebühne gefahren und …

Liebe Eltern (und andere Autofahrer): Lasst uns kurz über diese Sätze nachdenken. Stellen wir uns vor, die Familie will verreisen.

Wer Familie hat, der kennt die Situation direkt, andere ziemlich sicher aus Erzählungen: Von vornherein stressig, aber auch freudig; die Kinder sind motiviert, mitzukommen (das ist ja auch nicht immer so), und dann, nachdem alles gepackt, alle versorgt und die Route ins Navi eingegeben ist, kann es endlich losgehen.

Ich habe mich gut hineinversetzt in diese Situation, ich fühle förmlich, wie wir auf Urlaub fahren. Und dann bleibt das Auto stehen, es springt nicht einmal an. Aber jetzt wird es schon interessant: Weil ich mich so gut mit der Familie im Buch identifiziert habe, beschleicht mich sofort ein unangenehmes Gefühl. Warum denn nur, wieso? weshalb? warum? Ja, richtig, jetzt weiß ich’s: Wir fahren immer am Wochenende auf Urlaub. Und jeder, der schon mal an einem Wochenende eine Autopanne hatte, weiß, was das bedeutet: Das wird Stunden dauern. Bestenfalls.

Es ist ein Wunder!

Aber Gottseidank nicht hier: Das Wunder beginnt unmittelbar, denn „Papa bringt es gleich in die Werkstatt“. Das klingt ja echt super, aber dazu würde mich dann doch interessieren, wie genau er das macht. Wenn die Werkstatt sich nicht den Hügel abwärts gleich um die Ecke befindet, braucht er dafür zumindest einen Abschleppwagen (hab ich persönlich jetzt nicht zu Hause – bin ich dadurch ein schlechter Vater?). Alternativen wären Pferdegespann, Antigravitations-Aggregat (z.B. fliegender Teppich), mobiler Baukran, Tieflader (hab ich auch alles nicht, wie unvorbereitet eigentlich), oder die Macht ist seine Verbündete (es gibt kein Versuchen). Ok, es sei ihm gegönnt: Er ist ein Supervater, und er schafft das, einfach so.

Dann finden wir uns also alle gemeinsam in der Werkstatt wieder. Aber moment mal: Am Wochenende? Das ist schon eine ganz besondere Werkstatt, denn soweit ich es sehe, sind Werkstätten am Wochenende dicht. Und nicht nur das: Wenn jetzt einer sagt, ja, wir fahren ja auch am Freitag nachmittag schon weg, da gilt im wesentlichen das gleiche, denn da machen die früher zu als sonst. Ich beginne langsam zu vermuten, dass diesem Vater die Werkstatt gehört! Das ist wohl die einzig logische Erklärung für diese Situation.

Er bekommt also tatsächlich das Auto innerhalb kurzer Zeit repariert und es kann doch noch losgehen. Was für diesen Vater eine halbe Stunde dauert, bedeutet für unsereins, dass es eventuell am Montag Abend losgeht – mit Glück. Doch halt, ich hab die Autofahrerclubs vergessen, die hier ausgezeichnet helfen, aber wochenends meist sehr beansprucht sind.

Fazit: Alles in allem wird hier eine Situation geschildert, die wir so nie erleben werden. Im Gegenteil: es ist im allgemeinen ein Desaster und Stress für die ganze Familie. Und nach der Lektüre dieses Buches werden unsere Kinder denken, wir sind echt voll unfähige Eltern/Menschen/Wesen. Und deshalb ist es dringend nötig, dass wir mit unseren Kindern über solche Dinge reden.

In diesem Sinne: Seid verantwortungsvoll beim Vorlesen!

Inzwischen habe ich einen weiteren Beitrag, Teil 2, zu diesem Buch gepostet. Stichwort: Tankstelle.

Und ich habe das Gefühl, Teil 3 wird bald folgen. Dieses Gefühl war richtig. Hier ist Teil 3, Stichwort: Unfall.

Aber ich habe wieder das Gefühl, dass das nicht der letzte Beitrag zu diesem Buch gewesen sein wird.

 

Buchinformationen

Titel: Autos und Laster
AutorIn(nen): Andrea Erne
IllustratorIn(nen): Ursula Weller
Geeignet ab: 2 Jahren
Buchreihe: Wieso? Weshalb? Warum? junior
Verlag: Ravensburger
ISBN: 978-3-473-32742-3
Erschienen: 2005

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